Tutorial – Blitze fotografieren

Tutorial - Blitze fotografieren

Inhaltsverzeichnis (click to open)

1. Vorwort
2. Das Gewitter
3. Vorbereitungen
4. Standort und Zeitpunkt
5. Sicherheit
6. Ausrüstung
6.1. Kamera
6.2. Objektiv
6.3. Stativ
6.4. Zubehör (nice to have)
7. Kameraeinstellungen
7.1. Aufnahmemodus
7.2. Aufnahmeformat
7.3. Blende, Belichtungszeit und Co.
7.4. Fokusieren
7.5. sonstige Einstellungen
8. Postproduktion – Verwalten der Fotos

1. Vorwort

Unwetter und die damit in Verbindung stehenden Blitze üben einen ganz besonderen Reiz auf uns aus. Wenn schon in der ferne das erste donnern zu hören ist und sich nach und nach der Himmel zu zieht bekommen einige von uns das Gefühl sich schnell in Sicherheit bringen zu müssen und bloß nichts vom Gewitter direkt mitzubekommen. Andere hingegen können solche Stunden kaum herbei sehen um ein Gewitter einfach nur mitzuerleben oder wie es hier im Tutorial geht zu fotografieren.

2. Das Gewitter

Damit sich ein Gewitter entwickelt müssen 3 Faktoren zusammen kommen.
1. eine hinreichend große vertikale Temperaturabnahme von ca. 0,65°C/100m
2. eine gewisse Feuchte in bodennahen Luftschichten
3. Kondensation, die zur Auslösung des Gewitters führt

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Warum sind die Regentropfen während eines Gewitters meist um ein vielfaches größer als bei normalen Regenschauern bzw. es kommt direkt zu Hagelkörnern?
In einer Gewitterzelle herrschen auf Grund der hohen Temperaturabnahme starke aufwinde wodurch es den kleinen Regentropfen nicht möglich ist den Boden zu erreichen. Stattdessen werden dieser immer wieder in höhere Lagen transportiert und sich mit der Zeit immer mehr Eis anlagert. Sobald der zu Eis erstarrte Regentropfen schwer genug ist, fällt dieser zu Boden (je kälter es in den oberen Luftschichten ist, desto größer können diese Hagelkörner werden und somit kommt am Boden kein Regen sondern dicke Tropfen bzw. Hagelkörner an.

3. Vorbereitungen

Wer erfolgreich Blitze fotografieren möchte, sollte sich vorab einen Überblick über das Wetter verschaffen, speziell die Windrichtung kann von Vorteil oder Nachteil sein. Es gibt aber neben dem visuellen beobachten oder Bauernregeln wie z.B.

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Bei rotem Mond und hellen Sterne, 
sind Gewitter gar nicht ferne

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auch noch die gute alte Technik. Auf diversen Seiten wie blitzortung.org oder herkömmlichen Wetterseiten kann man den bisherigen Verlauf eines Gewitters mit der Intensität verfolgen und abschätzen ob es sich lohnt die Kamera bereit zu halten oder gar schon im Auto zu sitzen. Zu erwähnen wäre noch, dass sich auch örtlich sehr schnell ein Gewitter bilden kann was natürlich auf keiner Karte zu sehen sein wird.
Neben dem Gespür ob ein Gewitter in der Luft liegt, gehört auch eine gewisse Portion Glück. Uns erging es sehr oft das wir den Verlauf eines Gewitter völlig falsch eingeschätzt haben und am Ende nur im Regen standen. Solche Momente können sehr ärgerlich sein aber das gehört nun mal auch dazu. :)

4. Der Standort und Zeitpunkt

Wie im vorhergehenden Kapitel beschrieben ist die Suche nach dem richtigen Standort entscheidend. Ein Gewitter zieht in der Regel so schnell ab wie es gekommen ist anstatt zu warten bis man sein Foto im Kasten hat. Es gibt eine Reihe von Konstellationen die man beachten sollte.

- der richtige Standort hat ein Motiv in dem die Blitze sich einfügen
- man sollte möglichst vor oder neben dem Gewitter mich befinden
- hoffen nicht im Regen zu landen

Einen Blitz zu fotografieren kann man theoretisch auch vom Balkon aus (was zum üben sinnvoll ist) aber wer ein richtig interessantes Foto bekommen möchte sollte sich einen Vordergrund suchen der schon ohne Blitze interessant für den Betrachter wäre. Mit den Blitzen wird es nochmals attraktiver und freut den Betrachter. :)
Wer sich hinter einem Gewitter positioniert hat, hat den Nachteil, dass mit jedem Foto das Gewitter weiter entfernt und man eigentlich kein schönes Bild mehr hinbekommen kann, da sprichwörtlich der Hauptteil schon vorbei ist, „Mitten drin statt nur dabei“ ist die Devise.
Hat man keinen geschützten Platz gefunden (kommt bei uns sehr häufig vor), ist der Regen das was man am allerwenigsten gebrauchen kann. Im kommenden Kapitel kommen wir noch auf die Sicherheit zu sprechen, denn auf die Idee zu kommen mit einem Regenschirm die Kamera und sich zu schützen sollte man tunlichst nicht kommen, aber dazu im kommenden Kapitel mehr.
Jetzt wissen wir schon einiges über Gewitter, wie sich diese lokalisieren lassen, wie und wo ich meinen Standort wählen sollte. Zu guter letzt fehlt noch der perfekte Zeitpunkt um ein Gewitter zu fotografieren.
Im Idealfall fotografiert man ein Gewitter wenn es schon recht dunkel ist. In der Dunkelheit bzw. Dämmerung wirken die hellen Blitze „spektakulärer“ als bei einem helleren Umgebungslicht. Es gibt aber auch Momente bei denen ein Gewitterfoto mit einer hellen Umgebung seinen Reiz haben kann. Schlussendlich muss jeder für sich entscheiden welchen Stil man bei seinem Foto erreichen möchte.

5. Sicherheit

Wer nicht gerade aus einem „sicheren“ Gebäude ein Gewitter beobachtet sollte auf seine Sicherheit großen Wert legen. Jedes Jahr auf`s neue gibt es in den Medien zu hören wie Menschen vom Blitz getroffen wurden. An unserem Hobby, der Fotografie wollen wir Freude haben und keinen Schaden oder schlimmeres davon tragen, darum sollte sich jeder an die Worte seiner Eltern erinnern und diese auch ins Gewissen zurückholen.

Folgendes gilt es zu beachten:

  • “Schutz in Gebäuden oder Fahrzeugen suchen. Fahrzeuge mit geschlossener Metallkarosserie und viele Gebäude mit einem Blitzschutzsystem wirken wie ein Faradayscher Käfig und bieten so Sicherheit.
  • Wenn kein Schutz in Gebäuden oder Fahrzeugen gefunden werden kann:
    • Um nicht direkt vom Blitz getroffen zu werden:
      • Aufenthalt auf offenem Gelände, Hügeln und Höhenzügen vermeiden
      • Aufenthalt in Gewässern und Schwimmbecken vermeiden.
      • Füße zusammenstellen, in die Hocke gehen, Arme am Körper halten und den Kopf einziehen.
    • Um nicht von Sekundäreffekten betroffen zu sein:
      • Die unmittelbare Nähe von Bäumen, Masten und Türmen meiden. Blitze schlagen besonders häufig in hohe Objekte ein, gerade wenn sie frei stehen. Wenn die Grundfläche des Objekts klein ist, ist die Potenzialdifferenz des Bodens in seiner unmittelbaren Nähe besonders groß und die mögliche Schrittspannung deshalb besonders hoch. Wenn die Leitfähigkeit des Objekts eingeschränkt ist, wie zum Beispiel bei Bäumen, besteht die Gefahr umhergeschleuderter abgesprengter Teile und des Austritts des Blitzes in Bodennähe.
      • Höhleneingänge und enge Mulden (Ackerfurchen, Wasserrinnen oder Straßengräben) meiden. Besser auf ebenes Terrain stellen oder tiefer in die Höhle gehen (aber Vorsicht: Im Höhleninneren besteht die Gefahr von plötzlichem und starkem Wasseranstieg, aufgrund des starken Niederschlags). Der Blitz verteilt sich nach einem Einschlag zunächst nahe der Bodenoberfläche, der er an Höhleneingängen und engen Mulden unter Umständen nicht folgen kann. Dann springt ein Sekundärblitz über, von dem Schutzsuchende getroffen werden können.
      • Nicht hinlegen, sondern den Kontaktbereich zum Boden minimieren. Mit zusammengestellten Füßen in der Hocke verharren und sich nicht mit den Händen abstützen. Gummisohlen und isolierende Materialien als Standfläche sind vorteilhaft. Gegen einen direkten Blitzschlag können sie aber auch dann nicht schützend wirken, wenn sie mehrere Zentimeter dick sind.“

Quelle: Wikipedia

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Mit beachten dieser Sicherheitsregeln kann man sehr viel Freude am fotografieren von Blitzen haben. Ich kann es jedem empfehlen sich an keinen Experimenten zu versuchen um das EINE Foto zu bekommen und seine eigene Sicherheit zu riskieren.
Ein geschützter Standpunkt hat noch den Vorteil das man auch bei Regen weiter fotografieren kann und nicht die Funktionalität seiner Kamera auf`s Spiel setzt.

6. Ausrüstung

Um Effektiv Blitze fotografieren zu können, ist eine gewissen Belichtungszeit nötig um auch einiges an Blitzen oder den EINEN Blitz auf das Foto zu „brennen“. Sobald man mehr als 1/60s belichtet, empfiehlt es sich ein Stativ zu benutzen.

6.1. Kamera

Diesen Punkt schenken wir nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit, da sich keiner nur für das Gewitter eine Kamera zulegen sollte. Im Idelafall hat man eine Kamera die manuelle Einstellungen zulässt oder eine DSLR. In unserem Fall verwenden wir eine Canon 7D die die Eigenschaft eines spritzwassergeschützten Gehäuse hat. Damit hindert uns ein leichter Regen nicht am fortsetzen der Aufnahme.

6.2. Objektiv

Als Objektiv empfiehlt es sich einen möglichst großen Weitwinkel zu nehmen um einen breiten Bereich des Himmels abzudecken. Blitze kommen selten dort man sie gern hätte und somit ist man mit einer zu großen Brennweite nur damit beschäftigt die Kamera neu auszurichten oder zu hoffen das genau in dem gewählten Bereich auch ein Blitz vorbeischaut.

6.3. Stativ

Ohne ein Sativ wird es sehr schwer ein ordentliches Resultat zu bekommen. Wie eingangs erwähnt wird eine gewissen Belichtungszeit benötigt. Damit aber das Bild nicht unscharf wird bzw. uns der Arm von vielen halten der Kamera weh tut, sollte ein Stativ verwendet werden. Wer jetzt noch ein möglichst stabiles Stativ vorrätig hat, hat die besten Chancen auf ein verwacklungsfreies Foto. Gerade die Stabilität kann den Unterschied machen, denn bei einem Gewitter kommt es nicht selten zu relativ starken Windböen. Um nochmals mehr Stabilität ins Stativ bekommen möchte, kann dieses sehr nah am Boden aufbauen und/oder mit einem Gewicht beschweren (ein windgeschützter Standpunkt wäre natürlich ideal).

6.4. Zubehör (nice to have)

Ein Blitz dauert selten mehr als 0,05s (es gibt auch Ausnahmen). Jetzt wird man sich die Frage stellen müssen, wie soll ich denn bitte den Zeitpunkt erwischen? Zum einen mit ausreichend Belichtungszeit aber das ist nur die halbe Miete, nicht selten kommt genau dann der „dicke“ Blitz wo das Bild nicht belichtet. An dieser Stelle kommt ein programmierbarer Fernauslöser zu Einsatz. Wir von LensViews verwenden dafür den „Hähnel Giga T Pro“. Dieser Fernauslöser bietet neben vielen Programmiermöglichkeiten auch die Möglichkeit die Belichtungszeit der Kamera anzupassen (man muss nicht mehr an der Kamera die Einstellung vornehmen und kann aus “sicherer” Entfernung alles steuern)

7. Kameraeinstellungen

Bei vielen Motiven bzw. Lichtsituationen kann man sich vorab auf eine grobe Kameraeinstellung festlegen, jedoch funktioniert dies bei Blitzen nicht unbedingt.

7.1. Aufnahmemodus

Die Kamera sollte man auf jedenfall im manuellen Modus betreiben damit diese sich nicht auf temporäre Störungen einstellen kann und das Foto zu dunkel oder zu hell wird.

7.2. Aufnahmeformat

In der Regel hat es sich bewährt die Kameraeinstellungen so zu belassen wie zu Beginn festgelegt, da durch kann es aber passieren das gerade ein großer und heller Blitz unser Foto auf den ersten Blick komplett überbelichtet bzw. ein kleiner Blitz das Foto unterbelichtet. Wir müssen uns im klaren sein, dass dies teilweise die Regel ist und daher vieles erst in der Post Production „korrigiert“ werden kann. Genau für diesen Fall empfiehlt es sich alle Fotos im RAW Format aufzunehmen.

7.3. Blende, Belichtungszeit und Co.

Faktoren wie ISO und Blende sollten so aufeinander abgestimmt werden, dass eine ungefähre Belichtungszeit von ca. 4s bis 20s erreicht wird. Bei einigen Probeaufnahmen ohne Blitz sollte das Motiv relativ dunkel sein um dann mit den Blitzen eine ordentliche Belichtung zu erhalten. Wir können an dieser Stelle keine genaueren Angaben zu den Einstellung machen, da die Einstellungsvielfalt bezogen auf alle äußeren Faktoren zu groß ist.
Um auch bei Tag einen Blitz fotografieren zu können, gilt es eine möglichst lange Belichtungszeit zu erreichen und dies realisieren wir über einen Graufilter. Man kann natürlich auch mit einer Belichtunsgzeit von unter 1s einen Blitz fotografieren aber die Chance einen zu erwischen steigt mit zunehmender Belichtungszeit (ein weiterer Vorteil: man hat am Ende nicht tausende Fotos die man durchsuchen muss).
Wichtig ist immer die Einstellungen so zu wählen, dass man recht flexibel auf sich verändernde Lichtsituationen ist. Damit meinen wir, dass z.B. ISO und Belichtungszeit fix sind und man nur die Blende zeitnah anpassen muss.

Anmerkung: Den ISO Wert setzen wir Grundsätzlich bei Aufnahmen in der Dunkelheit auf das niedrigste was die Kamera ermöglicht um das beste Ausgangsmaterial zu erhalten. Faktoren wir Blende und Belichtungszeit sind daher flexibel einzusetzen (abhängig von äußeren Einflüssen).

Die Durchschnittswerte unsere Aufnahmen sehen wie folgt aus.
- Blende: flexibel (abhängig von Dunkelheit und Intensität des Gewitters)
- ISO: 100
- Belichtungszeit: ca 8s

7.4. Das Fokussieren

Während unserer programmierten oder von Hand gesteuerten Serienaufnahme sollte das Objektiv auf manuelles Fokussieren gestellt sein. Bei Dunkelheit wird die Kamera Probleme haben das Motiv scharf zu stellen und das kann dazu führen genau den einen „Superblitz“ nicht auf`s gebannt zu haben.

7.5. sonstige Einstellungen

Ein kleiner Tipp welcher für sämtliche Aufnahmen bei Nacht mit Stativ gilt und somit auch beim fotografieren von Gewittern .
falls vorhanden den Bildstabilisator abschalten
Bei aktiven Bildstabilisator versucht die Kamera trotz eines Stativ eine nicht vorhandene Bewegung auszugleichen was zu einer verwackelten Aufnahme führt.

8. Postproduktion – Verwalten der Fotos

Am Ende eines Gewitters, kommt man mit einer nicht unerheblichen Bilderanzahl nach Hause und diese gilt es zu verwalten. Jeder hat seine eigene Methode Foto zu verwalten und daher wird dieser Punkt nicht für alle umzusetzen sein.
Wir von LensViews haben Lightroom 4 im Einsatz und verwalten bzw. bearbeiten damit auch den Großteil unserer Fotos damit.
Speziell für unsere Gewitterfotos bietet sich Lightroom perfekt an. Während eines Gewitters, fotografieren wir wie oben schon genannt im „Serienbildmodus“, und die Bildermenge die da zustande kommt ist nicht unerheblich (pro Gewitterbild löst unsere Kamera teils 500x aus). Von dieser Anzahl sind vielleicht 5% der Bilder zu gebrauchen und diese gilt es zu finden. In Lightroom kann man sehr schnell Bilder bewerten und am Ende sich genau diese Anzeigen lassen. Über diesen Weg hat man einen sehr guten Überblick über seine Fotos und muss die aktuell nicht zu verwendenden Fotos nicht direkt löschen um den Überblick zu behalten.

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